Erwachsenenkatechumenat
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Geschichte des Katechumenats in Europa
ein kurzer Überblick
Die neue Geschichte des Katechumenats in Europa hat im Jahr 1950 begonnen. Seit dieser Zeit waren es zumeist einzelne Personen, die den Katechumenat entdeckten und vorantrieben. In einigen Ländern (z.B. Frankreich und Belgien) standen religiöse Gemeinschaften hinter diesem Anliegen. Anderswo wurden durch Bischofskonferenzen oder bischöfliche Initiativen entscheidende Impulse gegeben (z.B. Italien, Spanien, Frankreich und Österreich). In Großbritannien ging der Katechumenat von einem anglikanischen Priester aus, der sich von Frankreich inspirieren ließ. So verlief die Entwicklung in den einzelnen Ländern, sogar in einzelnen Regionen, höchst unterschiedlich.
Auch die Organisation des Katechumenats ist von Beginn an sehr verschieden. In Frankreich gab es lange Zeit eine autonome, diözesane, regionale und nationale Organisation; weniger strukturiert ist der Katechumenat in Belgien und der Schweiz, wo sich einzelne Zentren (Brüssel bzw. Genf) herauskristallisiert haben. Anderswo ist der Katechumenat eng mit katechetischen (Großbritannien, Spanien), liturgischen (teilweise Belgien) oder pastoralen (Deutschland, Österreich) Einrichtungen verknüpft.
Die Geschichte des Katechumenats in Europa lässt sich an Hand der europäischen "Kongresse" gut ablesen. Seit 1971 gibt es alle zwei Jahre ein "Treffen" ("EuroCat"), d.h. eine Art "Generalversammlung", bei der bis zu fünf Delegierte der Kirchen jedes Landes teilnehmen. Dabei hat Großbritannien sowohl eine katholische als auch eine anglikanische Delegation, ähnlich wie Schweden eine katholische und eine schwedisch-lutherische Delegation entsendet.
In den Jahren ohne große Versammlung findet ein "Büro" statt, bei dem wenigstens ein Delegierter bzw. nationaler Vertreter jeder Kirche aus den verschiedenen Ländern teilnimmt.
Und so kam der Katechumenat (abgesehen von früheren Einzelfällen) nach Österreich: Anfang 1995 bat der frühere Schweizer Verantwortliche, Jean Bernard Dousse, seinen "Ordensbruder", den damaligen Weihbischof von Wien, Christoph Schönborn, ob man nicht jemand aus Österreich zu dem geplanten EuroCat in St. Moritz entsenden könnte. Mit dieser Anfrage wandte sich Bischof Schönborn an den Generalsekretär des Österreichischen Pastoralinstituts, Walter Krieger, der sich diesem Anliegen in Übereinstimmung mit dem Vorstand des Österreichischen Pastoralinstituts weiter annahm. Dies führte zu einer Suche nach Personen und Einrichtungen, die in den verschiedenen österreichischen Diözesen mit diesem Thema befasst oder dafür offen waren.
So konnte erstmals beim EuroCat in Berlin 1997 eine österreichische Delegation teilnehmen, woraufhin das Büro 1998 in Wien stattfand.
In der Folge wurde im Österreichischen Pastoralinstitut ein "Leitfaden Erwachsenenkatechumenat" erstellt (2000), in allen Diözesen wurden im Lauf der Zeit offizielle "Kontaktpersonen" benannt, mit denen es seit 2001 ein jährliches Österreich-Treffen gibt. Das Österreichische Pastoralinstitut übernahm gleichzeitig die Aufgaben einer weiteren Koordination sowie einer internationalen Vertretung.
Wie es begann
Im Rahmen einer nationalen Konferenz in Peyruis (Frankreich) trafen sich 1967 einige Delegierte, die den Katechumenat in vier europäischen Ländern vertraten (Belgien, Frankreich, Schweiz und Portugal). Ohne offiziellen Auftrag beschlossen sie, ein europäisches Treffen zu initiieren. Es gab eine Reihe von Gründen, die sie darin bestärkte, gemeinsam über eine katechumenale Seelsorge nachzudenken: Der Einfluss der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils über Evangelisation und Katechumenat, die steigende Anzahl von Menschen in vielen Ländern, die als Erwachsene Christen werden wollten und die Herausforderung, Räume und Gemeinschaften zu begründen, die "Neue" in der Kirche willkommen heißen konnten. Diese Initiatoren fanden sich "auf gleicher Wellenlänge". Das erleichterte die Verständigung über Sprachgrenzen hinweg und ließ eine herzliche, menschliche Verbundenheit entstehen, die wohl auch für die weitere Entwicklung bedeutsam sein sollte.
Dieses erste Treffen fand in Paris am 15. und 16. Februar 1968 statt. Fünf Delegierte aus Belgien, vier aus Frankreich, je zwei aus Spanien und Portugal und einer aus der Schweiz waren anwesend. Die Organisatoren dieses Treffens hatten kein besonderes Thema ausgesucht. Ausgehend von Berichten über die Situation des Katechumenats in den einzelnen Ländern diskutierten die Delegierten die aktuellen Rahmenbedingungen des Katechumenats und wie die Pastoral insgesamt katechumenale Elemente integrierte. Aus diesen Gesprächen ergaben sich einige gemeinsame und grundlegende Überlegungen.
Diese gemeinsamen Überlegungen waren:
Eine "Umkehr" von Christen geschieht durch die Verkündigung des Evangeliums.
Die katechumenale Dimension ist ein Zeichen des Heiligen Geistes und der missionarischen Tätigkeit der Kirchen.
Die Sakramente der christlichen Initiation sind bevorzugte Zeichen der Begegnung der Gläubigen mit Gott.
Der Glaube muss "mitten im Leben" der Menschen stehen.
Grundlegend hingegen geht es um die Beziehung des "Menschen von heute" mit Jesus Christus. Daraus ergeben sich entscheidende Fragen, die für die ganze Pastoral gelten:
- Wie kann man heute von Jesus sprechen?
- Welche Verbindungen gibt es zwischen dem Engagement in der Gesellschaft und der Begegnung mit Jesus Christus?
Daraus kristallisieren sich drei Perspektiven heraus, die bis heute sowohl für die Katechumenatstreffen als auch für die gesamte Pastoral bedeutsam sind:
Erstens: Jede Begegnung mit Jesus Christus ereignet sich in einer konkreten Situation, d.h. bei Männern und Frauen, die eine Geschichte haben und die in der Gesellschaft Verantwortung tragen oder Verpflichtungen haben; diesem Engagement gibt der Glaube Sinn und Zielorientierung.
Zweitens: die Bindungen zwischen christlichen Gemeinden und dem Katechumenat müssen verstärkt werden, damit die einen die katechumenale Dimension in ihre Pastoral integrieren und die anderen nicht abgesondert von den christlichen Gemeinden leben. (Für den Großteil der Katechumenen hatte die Kirche das Gesicht der Christen, mit denen sie zusammenkamen und freundschaftlich verbunden waren. Die übrige Kirche mit ihrer Organisation war für sie nicht anziehend; sie nahmen eher ihre Mängel wahr.)
Drittens: die Bedeutung des angewandten Vokabulars ist zu präzisieren. Was versteht man unter "Glaubensinhalt", "existentieller Theologie", "katechumenaler Katechese", "katechumenaler Dimension"?
Nach dieser Begegnung beschlossen die Delegierten weitere Treffen, zunächst jedes Jahr (1969, 1970, 1971), später alle zwei Jahre, wobei im Jahr dazwischen das Treffen eines "Büros" stattfinden sollte (mit jeweils einer/einem Delegierten jedes Landes). Der/die Delegierte des veranstaltenden Landes sollte dann auch für die ausgewählten Themen und für die Organisation verantwortlich sein.
1. Treffen - Genf, 14. - 16. Februar 1969
Thema: Der Weg der Katechumenen und ihre Erfahrungen von Kirche
Dabei entdeckte man die Herausforderung, dass man Verbindung schaffen muss zwischen Gruppen mit Katechumenen und den real existierenden Ortsgemeinden.
2. Treffen - Brüssel, 1. - 3. Mai 1970
Thema: Katechumenat und Mission in einer "neuen" Kirche
Im Auftrag, in Gemeinschaft mit der Kirche zu leben, bringen neue Gemeinschaften neben Impulsen auch Konflikte in Bezug auf eine "traditionell-christliche" Lebensweise.
Zwei neue Länder waren bei diesem Treffen anwesend: Italien und Niederlande. Die Anwesenheit einiger anglikanischer und orthodoxer Delegierten gab dem Treffen eine ökumenische Dimension, die bis heute besteht.
3. Treffen - Madrid, 1. - 3. Mai 1971
Thema: Katechumenat und neue Gemeinschaften?
In Weiterführung der Thematik des vorangegangenen Treffens wurde die Unterschiedlichkeit zwischen den verschiedenen neuen Gemeinschaften deutlich. Weiters wurde betont, dass katechumenale Gemeinschaften wirklich Gemeinschaften der Kirche sind, in denen die Initiation von Katechumenen entwickelt und durchgeführt wird.
4. Treffen - Strassburg, 28.4. - 1.5.1973
Thema: Wie ereignet sich im säkularisierten Europa heute die Bekehrung eines Menschen, sein Übergang vom Umglauben zum Glauben? Wo ereignet sie sich, an welchem Ort, in welcher Gruppe? Wie wird sie in dieser Gruppe, an diesem Ort gefeiert?
Dabei fand man folgende Übereinstimmungen:
- Bekehrung bringt den Unterschied zwischen den Glaubenden und den Nichtgla¬benden zum Ausdruck. Sie betrifft nicht nur den religiösen Bereich, sondern das ganze Leben.
- Kleine religiöse Gemeinschaften nehmen einen wichtigen Platz während des Glaubensweges ein.
- Die Sakramente als "gewichtige Zeichen" verlieren an Bedeutung gegenüber dem gelebten Alltag.
- Die charismatische Erneuerung erinnert an das Wirken des Heiligen Geistes.
5. Treffen - Amsterdam, 2. - 5. Mai 1975
Thema: Den Menschen von heute Christus verkündigen: in einer aufgewühlten Welt mit ihren Gewalt- und Klassenverhältnissen, in ihren landesspezifischen sozioökonomischen, politischen, kulturellen Zusammenhängen, mit einer Kirche vor Ort, die nun einmal ist, wie sie ist. Wie können wir den Menschen, die auf der Suche sind, die in einer Art religiöser Unruhe leben oder auch nicht, "wirksam" Jesus Christus verkündigen?
Drei Dimensionen der "katechumenalen Bewegung" wurden dabei deutlich:
1. Gemeinschaften, in denen sich die Initiation oder die Re-Initiation von Menschen vollzieht, die ausdrücklich als Fragende in Erscheinung treten;
2. ein "Geist", d.h. eine Gesamtheit von Überzeugungen und konkreten Haltungen, die das Gesicht der Pastoral prägen;
3. Räume der Annahme und der Freiheit, Freiräume, welche Menschen, die nach Gott und nach der Welt fragen, Gelegenheit zur Suche bieten.
6. Treffen - Lyon, 6. - 7. Mai 1977
Thema: Zeichen der Zeit und Wort Gottes. Herausforderung zur Umkehr heute
Hier ging es darum herauszufinden, was Umkehr heute begründet. Dieses breite Thema fächerte sich in vier Fragen auf: Wie ist das Wort Gottes an den Menschen von heute gerichtet? Welche spezielle Dynamik können Gemeinschaften entwickeln? In welcher Weise sind die Initiationssakramente Zeichen des Reiches Gottes? Was fördert einen Übergang vom Nichtglauben zum Glauben?
7. Treffen - Antwerpen, 5. - 7. Mai 1979
Thema: Es gibt Katechumenatsgemeinschaften. Man spricht von einer "katechumenalen Strömung". Inwieweit ist dieses Engagement Zeichen für die Nichtglaubenden? Inwieweit liegt hierin eine Herausforderung für die Kirche?
Ausgangspunkt war die Frage: Wie kann die Kirche in den von Entchristlichung geprägten Ländern Zeugnis geben für Jesus Christus und das Evangelium, sodass die Menschen das Heil Gottes entdecken? - Festgestellt wurde, dass in diesem Zusammenhang katechumenale Strömungen eine Kraft der Erneuerung für Pfarrgemeinden sein können.
8. Treffen - Madrid, 1. - 4. Mai 1981
Thema: In einem Klima der Säkularisierung erweist sich der Katechumenat als Notwendigkeit und Chance. Wie kann er ein geschwisterliches Leben ermöglichen, sowie Offenheit und Verbindungen mit anderen Bereichen der Kirche sichtbar machen? Wie kann er den Fernstehenden das Näherkommen erleichtern?
Auf unterschiedliche Weise - geprägt durch das jeweilige Land, die Kirchengeschichte und den sozialen Kontext - scheinen die Katechumenatsgemeinschaften als Gemeinschaften nach menschlichem Zuschnitt dazu geeignet, durch die Aufnahme derer, die Gott suchen, die Kirche zu erneuern. Sie erweisen sich als Lebens- und Glaubensgemeinschaften, in denen das Wort des Glaubens im Wort Gottes Wurzeln schlägt, als Gemeinschaften, wo die Initiation oder Re-Initiation lehrt, mit der ganzen Kirche eine Einheit zu bilden und den Weg des Evangeliums zu gehen.
9. Treffen - London, 6. - 9. Mai 1983
Thema: Kann man im Glauben wachsen, ohne ihn zu feiern?
Bei diesem Thema nahm der Erfahrungsaustausch großen Raum ein. Welche Rolle spielen Riten in der Weitergabe des Glaubens? Warum ist die Weitergabe des Glaubens nicht einfach auf eine Kommunikation von Glaubenssätzen beschränkt? Dabei wurde die Bedeutung der "Stufen" und ihrer Symbole im Rahmen der christlichen Initiation verdeutlicht.
10. Treffen - Genf-Annecy, 10. - 13. Mai 1985
Thema: Zum Glauben begleiten - den Menschen achten
Dieses Treffen bot eine biblische Begründung für die "Achtung", mit der man den Katechumenen begegnen sollte. Dieser Aspekt wurde insbesondere im Blick auf die steigende Zahl von Taufbewerber/innen aus Migrantenkreisen immer wichtiger. Es ging auch um die Realisierung einer "Wertschätzung für den ganzen Menschen" in der Liturgie, in christlichen Gemeinschaften, im Denken der Gesellschaft.
11. Treffen - Gazzada (Italien), 8. - 11. Mai 1987
Thema: Katechumenat und Taufe als Fundament der Kirche
Wenn in früheren Zeiten die katechumenale Einführung den Familien anvertraut war, so muss heute die ganze Kirche - in der Unterschiedlichkeit der einander ergänzenden Gruppen und Gemeinschaften - Verantwortung übernehmen. Ein "Elite-Denken" einzelner Gruppierungen ist allerdings nicht hilfreich. Ein weiterer Schwerpunkt war das "Taufbewusstsein", das durch den Katechumenat immer wieder geweckt wird und eine Glaubensvertiefung bei allen beteiligten Personen und Gemeinden fördert.
12. Treffen - Augsburg-Leitershofen, 5. - 8. Mai 1989
Thema: Initiation, Reinitiation und christliche Gemeinschaft
Die ökumenische Charakteristik früherer Treffen wurde intensiver. Neben einer anglikanischen Delegation nahm erstmals auch eine aus der schwedisch-lutherischen Kirche teil.
Das Thema, das für das Treffen in Augsburg vorgesehen war, ließ deutlich die beiden gegenwärtigen Strömungen innerhalb des europäischen Katechumenats erkennen. Einige Länder haben einen Katechumenat im eigentlichen Sinn und öffnen sich dann der Suche von bereits getauften Personen, die wieder zu glauben beginnen wollen. Andere Länder gehen den umgekehrten Weg. Bei ihnen zählte zuerst die Sorge um die getauften, aber nicht zum Glauben geführten Erwachsenen; und nun erkennen sie die Notwendigkeit der Katechumenatsinstitution für Ungetaufte, die eine christliche Initiation erbitten.
13. Treffen - Bayonne, 3. - 6. Mai 1991
Thema: Gemeinde - Weg und Ziel der christlichen Initiation
Angesichts des Individualismus möchte jeder Mensch wie ein Individuum leben. Die Katechumenen suchen vor allem einen persönlichen Glauben, eine individuelle Beziehung zu Gott. Tragfähig wird diese aber nur, wenn er von einer Gemeinschaft gestützt und inspiriert wird. Das Ziel christlicher Initiation ist freilich nicht die Mitgliedschaft in einer christlichen Gruppe, sondern das Reich Gottes.
14. Treffen - Rom, 7. 11. Mai 1993
Thema: Derselbe Katechumenat für morgen?
Dieses Treffen in Rom wurde wie zu einer Pilgerfahrt zu den Quellen des Glaubens. Der Besuch in den Katakomben des Calistus, der Besuch der Grabes des Petrus und des Baptisteriums im Lateran hatten eine tiefe spirituelle Dimension. Die archäologischen Erläuterungen gaben diesem Treffen einen spezifischen, dem Ort angemessenen Rahmen.
15. Treffen - St. Moritz, 5. - 9. Mai 1995
Thema: Neugetaufte in der Gemeinde
Hier ging es um das Problem der Integration von Neugetauften. Sind die dabei auftretenden Probleme auf irgendeine Weise ähnlich zu jenen Konflikten, die in der frühen Kirche schon zwischen Judenchristen und Heidenchristen beschrieben werden?
16. Treffen - Berlin, 9. - 13. Mai 1997
Thema: Wahrnehmungen im Lebensraum der Stadt - erste Schritte vor dem Katechumenat
Der Kontext der früher geteilten Stadt Berlin war nicht nur Rahmen, sondern vielschichtiger Inhalt der Thematik dieses Treffens. Gerade die Situation im "atheistischen Osten" und ihre Herausforderung für Pastoral und anfängliche Glaubensverkündigung ("Präkatechumenat") wurden erlebbar.
17. Treffen - Paris, 12. - 16. Mai 1999
Thema: Geschichte und Erfahrungen des Katechumenats in Frankreich
Man begegnete der konkreten Praxis von diözesanen und regionalen Teams. Bei diesem Treffen nahmen auch Delegierte aus der Tschechischen Republik und Kanada teil.
18. Treffen - Leeds, 4. - 8. Mai 2001
Thema: Die Schwellen, die jemand, der nicht glaubt oder von der Kirche distanziert ist, überschreiten muss, wenn er zum christlichen Glauben finden will
Das Thema der "Schwellen" war in dieser Zeit in den kirchlichen Dokumenten der katholischen und auch der anglikanischen Kirche bedeutsam und gab interessante theologische Impulse. Veranstaltet wurde dieses Treffen von der katholischen und anglikanischen Kirche gemeinsam, was die ökumenischen Eindrücke nachhaltig vertiefte. Anwesend war auch eine Delegation aus den Vereinigten Staaten.
19. Treffen - Barcelona, 30. April - 3. Mai 2003
Thema: Die Weitergabe des Glaubens in der Moderne
In theologischen und katechetischen Vorträgen, Präsentationen und Begegnungen mit der Kunst kam vor allem der Vorkatechumenat in den Blick.
20. Treffen - Vadstena, 4. - 8. Mai 2005
Thema: Zeichen auf dem Glaubensweg
Hier wurde das Pilgern als Unterstützung und Hilfe auf dem Glaubensweg, als Weg zu Glauben und Umkehr auf dem Hintergrund der Situation des Glaubens in Schweden thematisiert.
21. Treffen - Florenz, 2. - 6. Mai 2007
Thema: Christum narrare
Es ging darum, wie die allgegenwärtige Kunst in Florenz durch die Geschichte hindurch von Christus verkündigend zu sprechen beginnen kann, und zwar zu den Menschen von heute.
22. Treffen - Wien, 30. April - 4. Mai 2009
Thema: Integration - Wie "Neue" ihren Platz in der Gemeinschaft finden
Es ist dieselbe Dynamik von „Integration“, wenn
- Neugetaufte ihren Platz in der Kirche entdecken
- wenn „Neue“ Anschluss an eine christliche Gemeinschaft suchen
- wenn Menschen aus anderen Ländern kommen
23. Treffen – Gent, 5. – 9. Mai 2011
Thema: Das Zueinander von Liturgie und Katechese im katechumenalen Prozess
Dieses Treffen ist in Planung.
Drei europäische Charakteristiken
1. Katechumenat und Evangelisation
Der Katechumenat entwickelt sich in Europa, weil es eine Suche nach dem Sinn des Lebens gibt, weil Menschen von heute vielerorts ein religiöses Interesse wiederentdecken. Aber um den Menschen zu erreichen, der nach Spiritualität und Glauben sucht, muss jemand mit Leidenschaft und Sehnsucht erfüllt sein, das Evangelium zu verkünden.
Hier entdecken wir eine höchst zeitgemäße Dimension des Katechumenats. Es geht um eine individuelle und gemeinschaftliche Begleitung von Menschen, die Christen werden wollen. Erfahrene Begleitpersonen bekräftigen, dass der Katechumenat bereichernd und inspirierend ist, auch für den eigenen Glauben. Man gibt viel, aber man erhält auch viel.
Entgegen einer einseitigen Betonung der intellektuellen und wissensmäßigen Dimension des Glaubens geht es im Katechumenat um das Leben in seiner Ganzheitlichkeit. Dazu gehören das Gebet, das Feiern und die Bereitschaft, Zeugnis zu geben. Die Evangelisierung Europas braucht diese ganzheitliche Inspiration.
Damit steht der Katechumenat aber in engstem Zusammenhang mit der gesamten Pastoral und Katechese. Darauf weisen auch die jeweiligen Themen der europäischen Treffen hin, die immer über den Katechumenat im engeren Sinn hinaus für das ganze pastorale und katechetische Engagement der Kirche bedeutsam sind.
2. Bereicherung und Offenheit
Der Katechumenat in Europa ist mit seinen Treffen und Besprechungen sehr bereichernd. Im Katechumenat gibt es weder eine belastende Tradition noch einen langweiligen Alltag. Wir entdecken eine bewährte Einrichtung der alten Kirche wieder, die für unsere heutige Situation hochaktuell ist.
Dazu aber braucht es gegenseitige Unterstützung. Ich bin überzeugt, dass jedes der Treffen des "Büros" Ideen und Erfahrungen schenkt, die jeder adaptieren kann gemäß der Situation in der eigenen Kirche, im eigenen Land.
Man könnte sagen, dass alle Katechumenate in Europa viele Gemeinsamkeiten miteinander haben. Deshalb fühlt man sich manchmal wie eine große Familie, in der wir teilen, was wir erfahren und was wir sind. Das ist eine fundamentale Charakteristik des europäischen Katechumenats.
Ohne diese europäischen Treffen: Was würde mit dem Katechumenat in Österreich oder Spanien sein? Würde es diesen und die damit verbundene Entwicklung überhaupt geben? Würden nicht schon so manche Suchende in der Kirche "nichts gefunden" haben, die in der Zwischenzeit auf dem Weg eines Katechumenats Christus entdecken konnten?
3. Ökumenische Aspekte
Einer der interessantesten Punkte in der Geschichte des Katechumenats in Europa ist der ökumenische Aspekt. Das wird durch die Anwesenheit der anglikanischen oder der schwedisch-lutherischen Kirche bei den zweijährlichen Treffen eindrucksvoll bestätigt.
Ein anderer Aspekt ist die Art und Weise, wie z.B. das Treffen in London 1983 rezipiert wurde, das vom Erzbischof von Canterbury, Dr. Runcie, in Lambeth Palace 1983 organisiert wurde oder wie das vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf 1985 durch Pastor Max Thurian vorgestellte Lima-Papier aufgenommen wurde.
Der Katechumenat selbst hat etwas in Richtung Ökumene weiterentwickelt: das Bewusstsein der Taufe als gemeinsame, verbindende Grundlage aller Christen Und das sollte uns nicht überraschen! Denn es gibt nur eine Taufe und deshalb ist die Taufe die fundamentale Quelle der Gemeinschaft und Beziehung zwischen den christlichen Kirchen. Der Katechumenat in Europa bestärkt damit den ökumenischen Prozess.
In diesen europäischen Treffen haben wir gemeinsam gebetet und Erfahrungen ausgetauscht. Wir haben einander zugehört. Und all das hat uns erlaubt zu sehen, dass es viele gemeinsame Aspekte und Dimensionen gibt, die uns verbinden, wenngleich wir uns der Unterschiede zwischen unseren Kirchen bewusst bleiben.
Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung und Ergänzung des Beitrags von Philippe Gueneley, Die europäischen Katechumenatstreffen, in: Matthias Ball / Ernst Werner (Hg.), Wege zum Christwerden. Der Erwachsenenkatechumenat in Europa, Ostfildern 1994; vgl. auch: Jordi d´Arquer i Terrasa, The history of the catechumenate in Europe: ecumenical solutions and contributions to the evangelisation of Europe (Manuskript) 2006.
Walter Krieger
12. Juni 2007
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